
Die Domaine de la Martinette liegt in der französischen Gemeinde Lorgues, einer Stadt aus dem 12. Jahrhundert. Ein Teil des Weinguts befindet sich auf dem Boden der Nachbargemeinde Le Thoronet mit der berühmten Abtei Le Thoronet.
Dort, wo sich heute die Domäne befindet, haben bereits die Römer Landwirtschaft und Weinbau betrieben. Davon zeugen Brunnen und Steinmauern aus der Römerzeit. Der Grundstein für die heutige Form und Fläche des Weinguts wurde im Jahr 1620 mit dem Kauf einiger Grundstücke durch Berlinguer Chieusse gelegt. Später kam zu dem Namen Chieusse die Ergänzung de Combaud dazu. Die Familie Chieusse de Combaud entwickelte sich im Laufe der Jahre zu den Honoratioren von Lorgues. Aus ihren Reihen gingen Stadträte, Rechtsanwälte, Richter und Abgeordnete hervor. Die Domäne blieb gut dreihundert Jahre lang im Familienbesitz und zwar bis etwa 1925.
Im 17. Jahrhundert wurde eine Bastide gebaut, ein großzügiges Landhaus. 1873 wurde dieses Gebäude den damaligen "Anforderungen der Zeit" angepasst, indem man auf den bestehenden Kellern ein "Château" erbaute. Die alten Keller, die also wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert stammen, sind noch heute in Gebrauch.
Nach 1925 wechselte die Domäne, die nach wie vor als gemischter Bauernbetrieb mit Schwerpunkt Weinbau betrieben wurde, mehrmals den Besitzer.
1998 ging das Weingut in den Besitz der Familie Liégeon über, welche die Restaurierung der Gebäude und den Bau eines neuen Weinkellers neben den alten Gewölben in Angriff nahm. Ferner wurden die Rebstöcke teils ausgetauscht und das gesamte Unternehmen unter der Leitung des Kellermeisters Stephan Dessolis modernisiert.
Im Jahr 2007 erwarb der ehemalige Banker und niederländische Unternehmer Dolf Huijgers die Domäne.

Die Domäne besteht aus 288 Hektar Wald, Olivenhainen, Weinbergen und Wiesen. Die Domäne war von Anfang an ein gemischter Bauernbetrieb. Hier wurde Wein angebaut, aber es gab auch Ackerbau, Anbau von Obst und Gemüse und im 19. Jahrhundert auch die damals beliebte Zucht von Seidenraupen.
Bis in die Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts wohnten und arbeiteten gut zweihundert Menschen auf der Domäne. Davon zeugt eine gewaltige Menge an Restanques, trocken gestapelten Mauern aus losen Kalksteinen der Domäne. Diese Restanques dienten zur Terrassenbildung auf dem hügeligen Gelände, das einen Höhenunterschied von gut hundert Metern aufweist. Die Mauern dienen auch zur Speicherung der Sonnenwärme, die nachts an die Olivenbäume abgegeben wurde. Ferner sind die gewaltigen Steinmassen wichtig zur Speicherung des spärlichen Regenwassers für die Wurzeln der Bäume und Pflanzen, denn manchmal regnet es monatelang nicht. Diese oftmals wunderbar verwitterten Mauern, die von Olivenbäumen gesäumt werden, trifft man daher überall in der Provence an.

1956 litt die Provence unter einem enorm strengen Winter mit Temperaturen bis minus 20°C. Während dieser extremen Kälteperiode sind in der Provence fast alle Oliven- und Obstbäume erfroren. Das war zugleich das Ende des großen Bauernbetriebs auf La Martinette. Seither werden hier nur noch 35 Hektar Weinberg und Olivenhain bewirtschaftet. Die sehr alten, damals größtenteils erfrorenen Bäume sind mittlerweile erneut ausgeschlagen und tragen wieder Früchte. Ein Großteil des Olivenhains war allerdings von Wald überwuchert.
Zurzeit arbeitet man daran, die Olivenbäume von diesem Wald zu "befreien" und die Produktion wieder aufzunehmen. Das Olivenöl ist 100% rein und wird in einer traditionellen, aus dem 13. Jahrhundert stammenden Ölmühle in Flayosc kalt gepresst. Ein Imker hält auf dem Landgut 23 Bienenvölker, die köstlichen, naturreinen Honig produzieren. Auf dem Gelände zeugen von dem ehemals großen Bauernbetrieb noch mehrere große Ruinen von Bauernhöfen und Bauernhäusern.

Nach dem Katastrophenjahr 1956 ging es mit der Domäne bergab, wie mit vielen anderen Bauernbetrieben auch. Mehrere Eigentümer versuchten hier, ihren Hobbys zu frönen.
So hat sich jemand jahrelang damit beschäftigt, an dieser Stelle einen Ferienpark mit 500 Ferienwohnungen und zwei Golfplätzen zu planen. Als die Genehmigung dafür verwehrt wurde, blieb diesem Investor nur noch die Insolvenz.

Beim Bau des oben genannten Châteaus im Jahre 1873 stürzte eine Tochter der Familie von dem im Anbau befindlichen Turm. Das Mädchen soll angeblich in den Mauern des Châteaus begraben worden sein. Man beschloss daher zum Bau einer Kapelle. In dieser Kapelle wurde eine Wachsfigur des Mädchens unter dem Altar in eine gläserne Kiste gelegt. Bizarre Geschichte: 1970 ist diese Kiste mit der Wachsfigur gestohlen worden. Gegenwärtig werden das Château und die Kapelle restauriert.

Im Volksmund heißt es, die Domäne heiße seitdem La Martinette, aber das stimmt nicht. Schon auf alten Karten von ca. 1740 wird die Domäne bereits als "La Martinette" bezeichnet. Im Dorf geistert auch nach wie vor die Geschichte herum, dass eine nervige Tochter des Patrons, mit Namen Martinette, von einem der Landarbeiter ermordet wurde und dass die Domäne seitdem "La Martinette" heiße. Auch diese Geschichte ist also schlichtweg erfunden.